Geschäftsbericht 2024

20 | Der Risikomanagementprozess umfasst als wesentliche Bestandteile die Identifikation, Analyse mit Bewertung, Frühwarnung, Steuerung und Dokumentation mit Berichterstattung. Die Chancen und Risiken lassen sich wie folgt strukturieren und sind nach absteigender Bedeutung für das Unternehmen und den Konzern sortiert: 5.4.1 Energie- und Wasserversorgung Aktuelles Risikoumfeld Aufgrund der weiterhin volatilen Strom-, Gas und CO2-Preise im Kontext der geopolitischen Unsicherheiten und Abhängigkeiten vom LNG-Markt haben sich die Absatz- und Beschaffungsrisiken für die Medien Strom und Gas gleichermaßen erhöht. Abhängig von der Konjunktur und der witterungsbedingten Absatzentwicklung ergeben sich vor allem an den Kurzfristmärkten Mehrkosten oder -erlöse durch die stark streuenden Spotpreise und Stundenpreise im Strommarkt. Risiken aus einer wettbewerbsbedingten Kundenabwanderung bestehen bei Groß- und Kleinkunden durch aggressive Wettbewerbsangebote. Ein hoher Druck auf die Einhaltung markt- und ressourcenbedingter Projektpläne ist insbesondere in umzusetzenden Großprojekten innerhalb des SachsenEnergie-Teilkonzerns vorhanden, der die planmäßige Erschließung der Margen herausfordernd erscheinen lässt. Von zunehmender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch das Insolvenzrisiko von gebundenen (General-)Unternehmen. Die sich aus den übergeordneten Themenfeldern ergebenden Risiken sind im Folgenden nach absteigender Bedeutung für das Unternehmen sortiert. Beteiligungs- und Investitionsrisiken Risikokomponenten von Beteiligungsrisiken sind der Wertverlust, der Ausfall ausgereichter Kredite, der Ausfall oder die Reduzierung eingeplanter Ausschüttungen oder im Einzelfall die Inanspruchnahme gewährter Haftungsgarantien. Preis- und Marktrisiken Potenzielle Abweichungen vom geplanten Mengenabsatz durch konjunkturelle Einflüsse, Wettbewerb und Wettereinflüsse führen in Verbindung mit schwankenden Marktpreisen zu Risiken im Bereich Energiehandel und Energieerzeugung. Hier sind durch die angespannte wirtschaftliche und geopolitische Situation hohe Schwankungen zu erwarten. Zur Risikobegrenzung wurden im SachsenEnergie-Teilkonzern zahlreiche Maßnahmen getroffen. Der auf die Stromerzeugung entfallende Brennstoffbezugsanteil ist für das Geschäftsjahr 2024 größtenteils abgesichert worden und die wärmegeführte Stromerzeugung weitgehend verkauft. Das Koppelprodukt Fernwärme verfügt über eine Preisgleitung, welche die der Wärmeerzeugung zuzurechnenden Gaspreisänderungen größtenteils abdeckt. Zudem werden Strom und Erdgas zeitlich und strukturell differenziert beschafft. Für größere Kunden erfolgt die Beschaffung unmittelbar nach Vertragsschluss (back to back). Die Kontrolle der Energiehandelsgeschäfte ist zur Wahrung einer strikten Funktionstrennung in einer vom Handelsbereich unabhängigen Struktur angesiedelt. Dort wird für den Strom- und Gashandel eine regelmäßige Überwachung und Bewertung der offenen Positionen in Verbindung mit vorgegebenen Risikolimiten vorgenommen. Limite gelten sowohl je Handelspartner als auch je Produktportfolio. Die entsprechenden Vorgaben sind in Risikohandbüchern festgelegt und unterliegen einer jährlichen Überprüfung. Für neue Energiehandelsgeschäfte und Vertriebsprodukte existiert ein Produktfreigabeprozess mit Beteiligung des Risikomanagements. Kreditrisiken Kreditrisiken entstehen durch den Ausfall von Kontrahenten (Handelspartnern) und damit verbundener Nichterfüllung vertraglicher Vereinbarungen. Damit besteht das Risiko eines finanziell ungünstigeren Ersatzgeschäftes und des Ausfalls von Forderungen. Ratingprozesse, Mengen- und Wertbegrenzungen, Sicherheitsleistungen bei Bonitätsverschlechterungen sowie Warenkreditversicherungen sind risikobegrenzende Maßnahmen. Finanz- und Liquiditätsrisiken Zinszahlungen für Neuaufnahme von Fremdkapital können durch Schwankungen des Marktes über den geplanten Aufwendungen liegen. Die Planwerte leiten sich aus den bestehenden und neu aufzunehmenden Finanzverbindlichkeiten anhand von geplanten Zinssätzen ab. Die eigentliche Finanzierung erfolgt zu gegebener Zeit zum dann vorherrschenden Zinsniveau. Damit besteht ein Zinsänderungsrisiko. Für Finanzierungen mit variablen Konditionen werden in gewissem Umfang Zinssicherungsinstrumente eingesetzt. Liquiditätsrisiken wird durch eine regelmäßig aktualisierte Liquiditätsplanung begegnet. Im Ergebnis verfügt die TWD GmbH über Kreditlinien über den geplanten Bedarf hinaus in Höhe von insgesamt 95 Mio. EUR und die restlichen Konzerngesellschaften in Höhe von 401 Mio. EUR bei verschiedensten Kreditinstituten. Zum 31. Dezember 2024 wurden diese Kreditrahmen von der TWD GmbH nicht und von den restlichen Konzerngesellschaften in Höhe von 85 Mio. EUR in Anspruch genommen. Darüber hinaus ist im TWD-Konzern ein Cash-Management implementiert, das es erlaubt, auf zusätzliche Finanzierungsquellen zurückzugreifen. Im Falle der außerplanmäßigen Nutzung der Kreditlinien käme es zu zusätzlichen Zinsaufwendungen. Politische, rechtliche und regulatorische Risiken Das Geschäft der Versorgungsunternehmen ist und wird auch künftig maßgeblich durch die politischen Rahmenbedingungen bestimmt. Für die Gesellschaften der EVD sind besonders die politischen Vorgaben zur Umsetzung der Energiewende und zum Erreichen der Klimaziele, Maßnahmen zur

RkJQdWJsaXNoZXIy NzExNDc2